Ob ein Tattoo vegan ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten, weil zwei unterschiedliche Produkte eine Rolle spielen: die Tätowierfarbe selbst und die Pflegeprodukte, die danach auf die Haut kommen. Tätowierfarbe besteht grundsätzlich aus einem Pigment, einer Trägerflüssigkeit (häufig Ethylalkohol oder destilliertes Wasser, teils ergänzt durch Propylenglykol oder Glycerin) und verschiedenen Zusatzstoffen wie Konservierungs- oder Verdickungsmitteln (Quelle: Tattoo ink, Wikipedia). Welche dieser Bestandteile tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind, hängt vom jeweiligen Hersteller und der konkreten Farbe ab und lässt sich aus dem bloßen Farbnamen nicht ablesen. Dieser Artikel zeigt, an welchen Stellen tierische Bestandteile typischerweise auftauchen, was eine geprüfte vegane Kennzeichnung von einer reinen Herstelleraussage unterscheidet, und welche Fragen du im Studio stellen kannst, um für deine konkrete Wahl Klarheit zu bekommen.
- Tätowierfarbe setzt sich aus Pigment, Trägerflüssigkeit und Zusatzstoffen zusammen, und jede dieser Komponenten kann je nach Hersteller tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein.
- Knochenkohle, Gelatine, Schellack und tierisches Glycerin sind die Bestandteile, auf die sich eine Vegan-Prüfung bei Tätowierfarbe am häufigsten konzentriert.
- Auch Nachsorgeprodukte wie Cremes oder Salben können Lanolin, Bienenwachs oder Kollagen enthalten, unabhängig davon, wie die Tinte selbst zusammengesetzt ist.
- Eine unabhängig geprüfte Vegan-Kennzeichnung ist etwas anderes als eine Herstellerangabe wie „pflanzlich", und beide Informationen solltest du auseinanderhalten, bevor du dich entscheidest.
Woraus besteht Tätowierfarbe eigentlich?
Jede Tätowierfarbe lässt sich grob in drei Bausteine zerlegen: das Pigment, das der Farbe ihren Farbton gibt, die Trägerflüssigkeit, die das Pigment transportfähig und auftragbar macht, und die Zusatzstoffe, die für Haltbarkeit, Konsistenz oder Hygiene sorgen. Als Trägerflüssigkeit kommen häufig Ethylalkohol oder destilliertes Wasser zum Einsatz, manchmal ergänzt durch Methanol, Propylenglykol oder Glycerin (Quelle: Tattoo ink, Wikipedia). Wie genau diese drei Bausteine im Detail zusammengesetzt sind, unterscheidet sich stark von Hersteller zu Hersteller und sogar von Farbton zu Farbton innerhalb derselben Marke. Genau deshalb lässt sich die Vegan-Frage nicht pauschal für „Tätowierfarbe" an sich beantworten, sondern nur für ein konkretes Produkt mit einer bekannten Zusammensetzung.
Wo in Tätowierfarbe tierische Bestandteile stecken können
Wenn tierische Bestandteile in Tätowierfarbe auftauchen, dann meist in einer von zwei Gruppen: in einem der Zusatzstoffe, die die Konsistenz oder Verarbeitung verbessern, oder in der Trägerflüssigkeit selbst. Manche Tätowierfarben enthalten tierische Nebenprodukte wie Knochenkohle, Glycerin, Gelatine oder Schellack, während andere Hersteller inzwischen gezielt vegane Rezepturen anbieten, die ohne diese Stoffe auskommen (Quelle: Tattoo ink, Wikipedia).
Knochenkohle und Gelatine
Knochenkohle wird gelegentlich zur Herstellung bestimmter Schwarztöne verwendet, weil sie dem Pigment eine spezifische Tiefe verleiht. Gelatine und Schellack wiederum tauchen eher als Binde- oder Verdickungsmittel auf, also in einer Funktion, die mit der eigentlichen Farbwirkung wenig zu tun hat, aber trotzdem tierischen Ursprungs sein kann. Keiner dieser Stoffe ist in der Zutatenliste automatisch als „tierisch" erkennbar, wenn überhaupt eine vollständige Liste vorliegt.
Glycerin: pflanzlich oder tierisch?
Glycerin ist ein gutes Beispiel dafür, warum ein einzelner Begriff auf einem Etikett nicht ausreicht, um den Ursprung zu bestimmen. Glycerin lässt sich sowohl aus tierischem Talg als auch aus pflanzlichen Quellen wie Soja oder Palmöl gewinnen, und die Bezeichnung „Glycerin" allein verrät nicht, welcher Weg im konkreten Fall gewählt wurde (Quelle: Glycerol, Wikipedia). Wer das wissen möchte, braucht entweder eine Herstellerauskunft zur Rohstoffquelle oder eine Zertifizierung, die genau das bereits geprüft hat.
Pflegeprodukte: wo Lanolin & Co versteckt sein können
Die Vegan-Frage endet nicht bei der Farbe selbst. Nach dem Stechen oder Auftragen eines Motivs kommen meist Pflegeprodukte zum Einsatz, und auch diese haben eine eigene, von der Tinte unabhängige Zusammensetzung. Lanolin etwa ist Wollwachs, das aus der Wolle von Schafen gewonnen wird und damit eindeutig tierischen Ursprungs ist; es wird häufig in Kosmetik, Lippenpflege und Salben eingesetzt, oft unauffällig in der Inhaltsstoffliste gelistet (Quelle: Lanolin, Wikipedia). Auch Bienenwachs oder Kollagen tauchen in manchen Nachsorgecremes oder Salben auf. Eine allgemeine Aussage über „die" Nachsorgecreme gibt es dabei nicht, weil die Produkte von Marke zu Marke unterschiedlich formuliert sind; für konkrete Schritte in der Nachsorge lohnt sich ein Blick in unsere eigene Anleitung zur Pflege eines temporären Tattoos, die beschreibt, worauf es in den ersten Tagen ankommt.
Wie erkennst du vegane Tätowierfarbe? Was Labels wirklich bedeuten
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen einer Herstelleraussage und einer unabhängig geprüften Kennzeichnung. Eine Aussage wie „pflanzlich" oder „frei von Schadstoffen" auf einer Produktseite stammt vom Hersteller selbst und beschreibt, was dieser über sein Produkt mitteilt; sie ersetzt keine externe Prüfung. Eine unabhängige vegane oder vegetarische Kennzeichnung wie das V-Label dagegen wird nicht vom Hersteller vergeben, sondern von Mitgliedsorganisationen gegen einen definierten Standard geprüft und zertifiziert (Quelle: V-Label, Wikipedia). Ohne eine solche Prüfung oder eine vollständige, verifizierbare Inhaltsstoffliste bleibt der Vegan-Status einer konkreten Farbe offen, so plausibel eine Herstelleraussage auch klingen mag.
Wie streng die Offenlegung von Inhaltsstoffen überhaupt geregelt ist, hängt zudem vom Land und von der Art des Tattoos ab, und diese regulatorische Seite ist komplex genug für einen eigenen Artikel; wer wissen möchte, was die EU-Regeln für Tattoofarben konkret vorschreiben, findet dort die rechtliche Einordnung. An dieser Stelle bleibt festzuhalten: Eine fehlende gesetzliche Pflicht zur Offenlegung bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt tierische Bestandteile enthält, aber sie bedeutet auch, dass du dich nicht allein auf das Schweigen einer Zutatenliste verlassen kannst.
Die richtigen Fragen ans Tattoo-Studio
Die zuverlässigste Methode, um für ein konkretes Motiv Klarheit zu bekommen, ist ein direktes Gespräch im Studio, bevor du dich festlegst. Folgende Fragen helfen dabei, konkrete Antworten statt vager Zusicherungen zu bekommen:
- Wie lautet der genaue Markenname der verwendeten Farbe, und nicht nur die Farbfamilie oder der Farbton?
- Gibt es zu dieser Farbe eine vollständige Inhaltsstoffliste oder ein unabhängiges Vegan-Zertifikat, das sich einsehen lässt?
- Welche Produkte werden für die Nachsorge empfohlen, und welche Inhaltsstoffe enthalten diese konkret?
- Aus welchem Material besteht die verwendete Schablone, falls dir das für deine Entscheidung wichtig ist?
Ein Studio, das sich mit dem Thema auskennt, sollte auf diese Fragen konkrete Antworten geben können oder zumindest wissen, wo es nachfragen kann. Bleibt die Antwort vage, ist das selbst eine nützliche Information für deine Entscheidung.
Design und Platzierung erst ausprobieren: was InkLabs zur eigenen Formel sagt
Für unsere eigene semipermanente Tinte im Jagua-Stil beschreibt InkLabs die Formel als pflanzlich und als getestet, um kosmetikrechtliche Anforderungen zu erfüllen. Das ist, wie oben erklärt, eine Herstellerangabe und keine unabhängige Vegan-Zertifizierung; wer mehr zur Zusammensetzung und zu den Sicherheitsaspekten unserer Tinte wissen möchte, findet weiteren Hintergrund in unserem Artikel darüber, wie sicher semipermanente Tattoos sind. Für die Nachsorge gilt unabhängig von der Formel: In den ersten 24 bis 36 Stunden sollten keine Cremes, Öle oder Peelings direkt auf das Motiv aufgetragen werden, damit sich die Farbe ungestört entwickeln kann.
Was ein temporäres oder semipermanentes Design dabei leisten kann, ist, dir Motiv, Größe und Platzierung in Ruhe auf der eigenen Haut zu zeigen, bevor eine dauerhafte Entscheidung ansteht. Es sagt dagegen nichts darüber aus, wie schmerzhaft, wie die Abheilung oder das Allergierisiko bei einem permanenten Tattoo ausfallen würde, und auch nicht, wie das endgültige Motiv dauerhaft aussehen wird; dafür bräuchte es ein eigenes Gespräch mit einem Tätowierer. Wer genau an diesem Punkt steht, findet in unserem Leitfaden zur Wahl von Motiv und Platzierung beim ersten Tattoo weitere Orientierung.
Als Beispiele für semipermanente Motive in dieser Formel zeigen wir hier zwei unterschiedliche Designs, damit die Auswahl nicht auf ein einzelnes Motiv verengt wirkt.


Beide Motive stammen aus unserer Kollektion semipermanenter Tattoos, in der sich weitere Designs in unterschiedlichen Stilen vergleichen lassen.
Ob ein Tattoo am Ende vegan ist, entscheidet sich also nicht an einer einzelnen Eigenschaft, sondern an der konkreten Farbe, den konkreten Pflegeprodukten und daran, ob eine Aussage durch eine unabhängige Prüfung oder nur durch den Hersteller selbst abgesichert ist. Mit der Frageliste aus diesem Artikel lässt sich das im Gespräch mit dem Studio klären, und wer vorab noch an Motiv oder Platzierung feilen möchte, kann dafür unabhängig von der Vegan-Frage ein semipermanentes Design nutzen. Weitere Ratgeber rund um Sicherheit und Zusammensetzung von Tätowierfarbe findest du in unserem News-Blog.


