Model de tatuaj temporar cu un motiv de protecție și credință

Seit wann gibt es Tattoos? Ein kurzer Weg von Ötzi bis zum Klebetattoo

Eine kurze Geschichte des Tätowierens von der 5300 Jahre alten Eismumie Ötzi über die Wortherkunft und Tā Moko bis zu Henna und dem modernen Klebetattoo.

Die ersten bekannten Tätowierungen reichen mehr als 5000 Jahre zurück: Die Gletschermumie Ötzi trug bereits um etwa 3230 v. Chr. insgesamt 61 Tätowierungen, und ägyptische Mumien aus Gebelein zeigen Hautmarkierungen, die nach aktuellem Forschungsstand sogar noch etwas älter datiert werden. Beide Funde liegen in unterschiedlichen Teilen der Welt, ohne erkennbaren Kontakt zueinander, was nahelegt, dass Menschen das Tätowieren unabhängig voneinander in mehreren frühen Kulturen entwickelt haben, statt es von einem einzigen Ursprung aus zu verbreiten. Wer der Zeitlinie von den ältesten Funden bis zu den Designs folgt, die man heute unverbindlich ausprobieren kann, bekommt ein klareres Bild davon, wie lange Menschen schon mit Bildern auf der Haut kommunizieren, dauerhaft wie auch vorübergehend.

Kurz zusammengefasst:

  • Die älteste eindeutig datierte Tätowierung stammt von der Gletschermumie Ötzi, um 3230 v. Chr.; die ägyptischen Gebelein-Mumien tragen aber möglicherweise noch ältere, figürliche Motive von etwa 3400 v. Chr.
  • Das Wort „Tattoo" kommt aus dem polynesischen „tatau" und gelangte erst im 18. Jahrhundert über die Pazifikreisen von Captain Cook in die europäischen Sprachen.
  • Bei den Māori ist Tā Moko bis heute eng mit Abstammung und sozialem Status verbunden und folgt einer eigenen Technik und Symbolik, die sich von anderen Tätowiertraditionen deutlich unterscheidet.
  • Temporäre Körperkunst wie Henna ist nachweislich genauso alt wie dauerhafte Tätowierungen und begleitet seit Jahrtausenden Feste und Lebensereignisse.

Die älteste bekannte Tätowierung: Ötzi und die Eismumie vom Hauslabjoch

Als 1991 die etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie Ötzi in den Ötztaler Alpen entdeckt wurde, zeigte sich auf seiner Haut ein ungewöhnlich umfangreiches Muster: insgesamt 61 Tätowierungen, die auf etwa 3230 v. Chr. datiert werden (Quelle: Ötzi – Wikipedia). Anders als man bei Körperkunst vielleicht vermuten würde, sitzen die Markierungen nicht an gut sichtbaren Stellen, sondern vor allem an den Beinen, beidseits der unteren Wirbelsäule sowie als kreuzförmiges Zeichen hinter dem rechten Knie und am rechten Knöchel.

Hergestellt wurden sie vermutlich durch Einstechen mit einer Knochenspitze oder einem Kupferpfriem, wobei rußbasiertes Pigment aus der Feuerstelle in die Haut gelangte. Besonders aufschlussreich ist, wo die Markierungen liegen: Viele fallen mit Körperstellen zusammen, an denen Ötzi altersbedingten oder belastungsbedingten Gelenkverschleiß hatte. Daraus entstand die Vermutung, die Tätowierungen könnten eine schmerzlindernde Funktion gehabt haben, ähnlich einer frühen Form von Akupunktur oder Akupressur, statt einer rein dekorativen. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Deutung auf Basis der Fundlage, nicht um einen gesicherten Fakt; eine endgültige Antwort, warum genau diese Stellen gewählt wurden, gibt es bislang nicht.

Noch älter? Die Gebelein-Mumien und die frühesten bildlichen Tätowierungen

Ötzi ist zwar der am besten untersuchte frühe Fund, aber nicht zwingend der älteste. Zwei prädynastische ägyptische Mumien aus Gebelein, im British Museum unter den Nummern EA 32751 und EA 32752 geführt, tragen Tätowierungen, die auf etwa 3400 v. Chr. datiert werden (Quelle: Gebelein predynastic mummies – Wikipedia), also möglicherweise einige Jahrhunderte vor Ötzis Markierungen. Sichtbar wurden die Motive erst, nachdem Infrarot-Aufnahmen, die 2018 im Journal of Archaeological Science veröffentlicht wurden, figürliche Muster auf der inzwischen nachgedunkelten Haut zutage brachten. Nach heutigem Forschungsstand zählen sie zu den frühesten bekannten bildhaften, also nicht rein linearen, Tätowierungen, die auf menschlicher Haut erhalten sind; sollten künftig ältere Funde beschrieben werden, würde sich diese Einordnung verschieben.

Gemeinsam zeigen Ötzi und die Gebelein-Funde etwas, das für die gesamte Geschichte des Tätowierens gilt: Spuren von Tätowierungen wurden an mumifizierten Überresten aus vielen Teilen der Welt gefunden, von Ägypten über Teile Asiens bis zu indigenen amerikanischen Kulturen (Quelle: Tattoo – Wikipedia). Das spricht dafür, dass die Praxis unabhängig voneinander an mehreren Orten entstand, statt sich von einem einzigen Ursprung aus über die Welt zu verbreiten.

Woher das Wort „Tattoo" kommt: von „tatau" zu Captain Cook

So alt die Praxis ist, so jung ist im Vergleich dazu das Wort, das wir heute dafür verwenden. „Tattoo" geht auf das samoanische beziehungsweise polynesische „tatau" zurück, was so viel wie „schlagen" oder „einschlagen" bedeutet und ursprünglich die traditionelle Technik beschrieb, mit der die Farbe in die Haut gebracht wurde (Quelle: Tattoo – Wikipedia). In westliche Sprachen gelangte der Begriff erst ab 1768, über die Pazifikreisen von Captain James Cook: Besatzungsmitglieder, darunter der Botaniker Joseph Banks, brachten sowohl das Wort als auch eigene Tätowierungen mit nach England zurück.

Das bedeutet, dass der heute weltweit gebräuchliche Begriff eine vergleichsweise junge Entlehnung aus dem 18. Jahrhundert ist, während die Praxis selbst, wie die vorigen Abschnitte zeigen, um Jahrtausende älter ist. Wer sich fragt, warum Tätowierungen in Europa lange Zeit nur eine Randerscheinung waren, findet in dieser zeitlichen Lücke zwischen Praxis und Begriff zumindest einen Teil der Erklärung.

Mehr als Dekoration: Tā Moko und die Bedeutung von Tätowierungen bei den Māori

Wie unterschiedlich die Bedeutung von Tätowierungen je nach Kultur sein kann, zeigt Tā Moko, die traditionelle Tätowierkunst der Māori in Aotearoa Neuseeland. Tā Moko ist eng mit Mana, also Ansehen und spirituellem Status, sowie mit der eigenen Genealogie verknüpft; das Empfangen von Moko markierte traditionell den Übergang vom Kind zum Erwachsenen und war von eigenen Ritualen begleitet (Quelle: Tā moko – Wikipedia). Technisch unterscheidet sich Tā Moko deutlich von den anderen in diesem Artikel beschriebenen Tätowiertraditionen: Die Haut wurde nicht punktiert, sondern mit Uhi, Meißeln unter anderem aus Albatrosknochen, regelrecht geschnitzt, was ihr eine gerillte statt glatte Oberfläche verlieh.

Auch die Platzierung folgte traditionell klaren Regeln entlang des Geschlechts: Männer trugen Moko meist im Gesicht, am Gesäß und an den Oberschenkeln, Frauen vor allem an Lippen und Kinn. Tā Moko ist damit ein Beispiel dafür, dass Tätowierungen in manchen Kulturen Identität, Abstammung und sozialen Status sichtbar machen, statt reiner Verzierung zu dienen, ein Kontext, der Respekt verdient und nicht auf ein austauschbares Muster reduziert werden sollte. Wer sich außerdem für die religiöse Seite von Tätowierungen interessiert, etwa im Islam, findet dazu eine eigene Einordnung in unserem Artikel darüber, wie islamische Gelehrte Tätowierungen beurteilen.

Schon immer auch vorübergehend: Henna und andere temporäre Körperkunst

Tätowierungen sind nicht die einzige Form, mit der Menschen seit Jahrtausenden Bilder auf die Haut bringen. Henna wird schon seit dem Altertum in Ägypten, dem Nahen Osten und auf dem indischen Subkontinent zur temporären Färbung von Haut, Haaren und Nägeln verwendet; Wandmalereien von vor etwa 1680 v. Chr. zeigen bereits entsprechend gefärbte Hände (Quelle: Henna – Wikipedia). Traditionell begleitet Henna bis heute große Lebensereignisse wie Hochzeiten sowie Feiertage wie Eid oder Diwali.

Anders als eine Tätowierung verschwindet Henna von selbst wieder: Die Farbe verblasst durch die natürliche Hauterneuerung normalerweise innerhalb von ein bis drei Wochen. Genau darin liegt ein Punkt, der für die Geschichte der Körperkunst insgesamt wichtig ist: Menschen haben schon immer zwischen dauerhafter und vorübergehender Körperkunst gewählt, je nachdem, was der Anlass verlangte, kein Entweder-oder, das erst mit modernen Produkten entstanden wäre. Wer Henna und moderne temporäre Tattoos direkt miteinander vergleichen möchte, findet die Unterschiede in unserem Vergleich zwischen temporären Tattoos und Henna im Detail erklärt.

Vom Ritual zum Ausprobieren: Klebetattoos und semipermanente Designs heute

Die lange Linie von Körperbemalung über Henna bis zu dauerhaften Tätowierungen zeigt vor allem eins: Es gab historisch immer einen Zwischenraum zwischen „nichts" und „für immer". Heutige Klebetattoos und semipermanente Designs besetzen genau diesen Zwischenraum, allerdings mit einem klar begrenzten Zweck: Sie lassen erkennen, wie ein Motiv, eine Größe oder eine Platzierung auf der eigenen Haut wirkt, bevor überhaupt eine Entscheidung ansteht. Was semipermanente Tattoos technisch von klassischen Klebetattoos unterscheidet, erklären wir ausführlich in unserem Leitfaden zu semipermanenten Tattoos.

Wichtig ist dabei die Grenze, die sich aus der Geschichte selbst ergibt: Ein temporäres oder semipermanentes Design zeigt nur Motiv, Größe und Platzierung. Es sagt nichts darüber aus, wie ein dauerhaftes Tattoo schmerzt, wie es heilt oder wie es nach Jahren genau aussieht; dafür bräuchte es ein echtes, dauerhaftes Tattoo. Wer sich, wie Menschen schon vor Jahrtausenden, für ein Symbol mit persönlicher Bedeutung interessiert, findet in der aktuellen Kollektion zum Beispiel ein Schutz- und Glaubensmotiv oder einen Kompass als Beispiele dafür, wie sich bedeutungsvolle Bildsprache heute unverbindlich ausprobieren lässt.

Temporäres Tattoo-Design mit Schutz- und Glaubensmotiv
Ein Schutz- und Glaubensmotiv als Beispiel dafür, wie sich ein bedeutungsvolles Symbol heute unverbindlich ausprobieren lässt.
Temporäres Tattoo-Design mit Kompass-Motiv
Ein Kompass-Motiv als universelles Symbol, das sich vor einer endgültigen Entscheidung erst in Größe und Platzierung testen lässt.

Für alle, die nach diesem Ausflug in die Geschichte über ihr eigenes erstes dauerhaftes Tattoo nachdenken, lohnt sich vorher ein Blick in unseren Leitfaden zum ersten Tattoo, der bei der Wahl von Motiv und Platzierung hilft. Und wer beim Zusammenstellen eines ganzen Sets ins Grübeln kommt, warum manche Leute auf eine ungerade Anzahl von Motiven schwören, findet die Hintergründe dazu in unserem Artikel über den Aberglauben zu ungeraden Tattoo-Zahlen.

Fazit: eine Linie von Ötzi bis zum Klebetattoo

Von Ötzis 61 Markierungen über die figürlichen Motive der Gebelein-Mumien und die polynesische Wortherkunft bis zu Tā Moko und Henna zieht sich eine durchgehende Linie: Menschen nutzen ihre Haut seit mehr als 5000 Jahren, um Bedeutung, Zugehörigkeit oder einen wichtigen Moment im Leben sichtbar zu machen, dauerhaft ebenso wie vorübergehend. Die heutige Möglichkeit, ein Design zunächst unverbindlich in der Kollektion temporärer Tattoos auszuprobieren, ist damit kein Bruch mit dieser Geschichte, sondern ihre jüngste Station.