Ein Wikinger-Tattoo steht fast immer für eine Handvoll bestimmter Motive: Thors Hammer (Mjölnir), Valknut, Vegvísir, Odins Raben oder eine Runeninschrift. Jedes erzählt eine andere Geschichte, und nicht alle stammen tatsächlich aus der Wikingerzeit. Der Vegvísir zum Beispiel taucht in keiner Quelle vor dem 19.. Jahrhundert auf, wird aber oft als uralter nordischer Kompass dargestellt. Wer sich vor der Wahl informiert, woher jedes Symbol tatsächlich stammt, vermeidet zwei häufige Enttäuschungen: ein Motiv zu tragen, das als wikingerzeitlich verkauft wird, obwohl es jüngeren Ursprungs ist, und eine Runeninschrift zu verewigen, deren buchstabenweise Übertragung nichts Lesbares ergibt.
- Mjölnir ist das archäologisch am besten belegte Wikingermotiv: In ganz Nordeuropa wurden etwa tausend Anhänger in Hammerform gefunden.
- Valknut erscheint tatsächlich auf wikingerzeitlichen Steinen und Grabbeigaben, doch sein heutiger Name ist eine moderne Bezeichnung; wie er damals genannt wurde, ist unbekannt.
- Oft als „Wikingerkompass“ bezeichnet, stammt der Vegvísir in Wirklichkeit aus einem isländischen Manuskript aus dem 19.. Jahrhundert, also aus mehreren Jahrhunderten nach der Wikingerzeit.
- Eine Runeninschrift lässt sich nicht Buchstabe für Buchstabe aus dem Französischen übersetzen: Runen geben Laute wieder, keine Schreibweise. Deshalb empfiehlt es sich, von einem bereits etablierten Motiv auszugehen, statt einen individuellen Satz zu verwenden.
Mjölnir, Thors Hammer
Thors Hammer ist das Wikingersymbol, das bei archäologischen Funden am häufigsten auftaucht. Damit ist er eine fundierte Referenz und nicht bloß ein Serienmotiv. In Skandinavien, England, Norddeutschland, im Baltikum und in Russland wurden etwa tausend Anhänger in Hammerform entdeckt (Quelle: Mjölnir, Wikipedia). Diese Häufigkeit sagt viel über seine Bedeutung im Alltag aus, die weit über das Bild einer rein kriegerischen Waffe hinausgeht.
Der Anhänger diente auch als religiöses Zeichen und Glücksbringer, insbesondere bei Hochzeiten. Seine Beliebtheit nahm zu, als sich in denselben Regionen Anhänger in Form christlicher Kreuze verbreiteten (Quelle: Mjölnir, Wikipedia). Als Tattoo getragen, steht er heute weiterhin für diese doppelte Bedeutung von Schutz und Zugehörigkeit und nicht einfach für einen kriegerischen Anspruch. Wer das Symbol in den größeren Zusammenhang der legendären Gestalten einordnen möchte, mit denen sich Inklabs beschäftigt, findet im Artikel über Fantasy- und Mythologie-Tattoos weitere Motive aus alten Erzählungen, nordischen und anderen.
Valknut, der Knoten der gefallenen Krieger
Valknut ist an seinen drei ineinander verschlungenen Dreiecken zu erkennen. Das Symbol wurde in mehreren archäologischen Funden aus der Wikingerzeit eingraviert entdeckt: auf dem Bildstein Stora Hammars I, dem Stein von Tängelgårda auf Gotland, den Grabbeigaben aus dem Schiffsgrab von Oseberg und dem angelsächsischen Ring, der im Fluss Nene gefunden wurde (Quelle: Valknut, Wikipedia). Diese häufig funerären Fundzusammenhänge bringen es meist mit Odin und dem Schicksal der im Kampf gefallenen Krieger in Verbindung. Die gängige Deutung ist, dass es für die gefallenen Kämpfer steht, die der Gott auswählt, um sie bei sich aufzunehmen.
Bevor du dich für dieses Motiv entscheidest, solltest du einen Punkt kennen: „Valknut“ ist eine Bezeichnung, die moderne Forschende geprägt haben. Niemand weiß heute, wie dieses Zeichen in der Wikingerzeit genannt wurde (Quelle: Valknut, Wikipedia). Das schmälert nicht die archäologische Authentizität des Symbols. Es bedeutet lediglich, dass man bei allen Erklärungen vorsichtig sein sollte, die vorgeben, seinen ursprünglichen Namen oder seine genaue Funktion zu kennen.

Vegvísir: der „Wikingerkompass“, der keiner ist
Vegvísir ist vermutlich das Symbol aus der heutigen Wikingerwelt, dessen Entstehungszeit am häufigsten falsch angegeben wird. Der erste bekannte Beleg findet sich im isländischen Manuskript Huld, das 1860 in Akureyri von Geir Vigfússon zusammengestellt wurde – mehrere Jahrhunderte nach dem Ende der Wikingerzeit. Archäologische Funde, die es mit dieser Epoche in Verbindung bringen, gibt es nicht (Quelle: Vegvísir, Wikipedia). Das Manuskript beschreibt es als Zeichen, das seinem Träger ermöglichen soll, selbst bei schlechtem Wetter und auf unbekannten Wegen niemals die Orientierung zu verlieren (Quelle: Vegvísir, Wikipedia).
Das macht Vegvísir weder weniger real noch weniger interessant: Es ist ein authentisches isländisches Symbol mit eigener Geschichte und eigener Schutzfunktion. Man sollte es einfach dem richtigen Jahrhundert zuordnen, statt es als Artefakt aus der Zeit der Raubzüge und Sagas darzustellen. Ein Motiv, das einem wegen seiner heutigen Bedeutung gefällt, ist nach wie vor eine gute Wahl. Problematisch ist nur das Etikett „Wikinger“, das ihm ohne jede Einordnung angeheftet wird.

Yggdrasil, Odins Raben und der Wolf
In der nordischen Mythologie begleiten zwei Raben, Huginn und Muninn, Odin. Ihre Namen bedeuten „Gedanke“ und „Erinnerung“. Jeden Tag schickt er sie aus, um die Welt zu überfliegen. Anschließend kehren sie zurück und berichten ihm, was sie gesehen haben (Quelle: Huginn und Muninn, Wikipedia). Das verrät viel über Odins Wesen: Er herrscht weniger durch Stärke als durch die Informationen, die er sammelt.
Warum diese Tiere und nicht irgendein Wolf?
Der Wolf nimmt in den nordischen Erzählungen eine zwiespältigere Rolle ein. Er kann Wachsamkeit und wilde Kraft verkörpern, doch in der Mythologie gibt es auch Fenrir, den riesigen Wolf, dem den Sagas zufolge eine zentrale Rolle im endgültigen Chaos von Ragnarök zukommt. Wer einen Wolf als Wikinger-Tattoo wählt, sollte sich daher eher an einer bestimmten Gestalt orientieren als an einem allgemeinen Raubtiermotiv – genauso wie ein Rabe je nach Darstellung eine andere Bedeutung hat: Er kann Huginn, Muninn oder einfach den Vogel selbst verkörpern. Diese Tiergestalten begleiten Odin oft in der Ikonografie und lassen sich gut mit Valknut oder Vegvísir in einem gemeinsamen Motiv kombinieren.

Runen: So vermeidest du die häufigsten Fehler
Das ältere Futhark, das vom 2. bis zum 8. Jahrhundert verwendet wurde und aus vierundzwanzig Runen besteht, wurde später in Skandinavien vereinfacht und zum jüngeren Futhark weiterentwickelt. Die Angelsachsen erweiterten ihr eigenes Runenalphabet dagegen unabhängig davon (Quelle: Älteres Futhark, Wikipedia). Es handelt sich um zwei unterschiedliche Systeme, die in verschiedenen Zeiträumen und Regionen verwendet wurden. Sie in einer Inschrift zu vermischen, ist historisch nicht stimmig, auch wenn das Ergebnis optisch ansprechend ist.
Die andere, noch häufigere Falle betrifft die Übersetzung. Runen geben Laute wieder, nicht die Buchstabierung eines Wortes. Wer einen Namen oder einen französischen Satz Rune für Rune umwandelt, erhält oft eine Zeichenfolge, die in keiner alten Sprache ein echtes Wort ergibt. Deshalb ist es besser, von einem bereits festgelegten und überprüften Runenmotiv auszugehen, etwa einem vollständigen Alphabet, das dekorativ dargestellt wird, oder einer Tafel mit mehreren bekannten Symbolen, statt eine individuelle Inschrift anfertigen zu lassen, deren Bedeutung niemand garantieren kann.

Komposition und Platzierung auswählen
Bei der Auswahl einer Komposition kommt es zuerst auf ihre tatsächliche Form an. Eine lange Runeninschrift oder ein Vegvísir mit acht Armen braucht eine flache, längliche Fläche, damit alles lesbar bleibt. Das spricht für den Unterarm oder den Rücken. Valknut oder Mjölnir sind kompakter und passen daher auch auf kleinere Stellen wie das Handgelenk oder die Wade, ohne dass Details verloren gehen.
Genau das lässt sich mit einer temporären Version überprüfen, bevor du dich endgültig für ein dauerhaftes Tattoo entscheidest: Du siehst die tatsächliche Größe einer Inschrift auf deiner eigenen Haut und an der gewünschten Stelle, statt sie dir anhand einer Zeichnung vorzustellen. Der Ratgeber zum ersten Tattoo erklärt Schritt für Schritt, wie du ein Motiv und eine Platzierung auswählst. Im Artikel darüber, warum du ein Tattoo vor einem dauerhaften Tattoo testen solltest, geht es um die Vorteile eines solchen Tests. Er ist besonders nützlich bei einer symbolischen Komposition, deren Länge darüber entscheidet, wie gut sie lesbar ist.

Bevor du dich endgültig für ein so symbolträchtiges Motiv entscheidest, kannst du mit einem temporären Tattoo die tatsächliche Größe einer Runeninschrift oder eines Vegvísir auf der Haut vergleichen und die Platzierung entsprechend anpassen. Dafür eignen sich die Motive aus der Kollektion temporärer Wikinger-Tattoos. Wenn dich andere kulturelle Stile interessieren, folgen das Tribal-Tattoo und das griechische Tattoo derselben Logik: Es sind bedeutungsvolle Motive, die in ihrem tatsächlichen historischen Kontext betrachtet werden sollten, bevor man sie trägt. Weitere Ratgeber findest du im Inklabs-Blog.


