Ein griechisches Tattoo greift auf ein genau umrissenes Repertoire antiker Figuren und Motive zurück: die Götter des Olymp wie Athene, Zeus oder Poseidon, mythische Kreaturen wie die Hydra von Lerna oder die Sirenen, dekorative Motive wie das Mäanderornament und den Lorbeerkranz sowie die drei Säulenordnungen (dorisch, ionisch, korinthisch), die aus der griechischen Architektur stammen. Jedes Symbol hat eine andere Bedeutung und ist an bestimmten Attributen zu erkennen. Das ist wichtig, bevor du dich für ein Motiv und gegen ein anderes entscheidest.
- Jeder Gott ist an seinen Attributen zu erkennen: an der Eule und der Ägis bei Athene, am Blitz und am Adler bei Zeus, am Dreizack und am Pferd bei Poseidon.
- Mythische Kreaturen eignen sich als eigenständiges Motiv: Die Hydra von Lerna zum Beispiel gibt es bereits als Design im Katalog. So kannst du das Motiv konkret ausprobieren, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst.
- Mäanderornament und Lorbeerkranz eignen sich für alle, die ein griechisches Symbol ohne Figur möchten – praktisch für ein dezenteres oder stärker auf Linien basierendes Tattoo.
- Ob die Darstellung statuarisch oder linear ist und welche Stelle gewählt wird, hängt vor allem von der Komplexität des Motivs ab und weniger von einer allgemeinen Regel.
Athene: Weisheit, Eule und Ägis
Athene ist vor allem an der Eule zu erkennen, die sie begleitet und traditionell für Weisheit steht. Sie trägt außerdem die Ägis, einen von Schlangen gesäumten Umhang, in dessen Mitte sich das Gesicht der Gorgone Medusa befindet. Dieses Detail verändert die Aussage des Motivs, denn es verbindet die Göttin nicht nur mit Weisheit, sondern auch mit einer mächtigen Schutzfigur. Häufig wird die Komposition durch den Ölbaum ergänzt, den Athene der Überlieferung nach erschaffen haben soll, ebenso wie durch Helm und Speer, die an ihre Rolle als Göttin der strategischen Kriegsführung statt roher Gewalt erinnern. Ein Tattoo, das nur eines dieser Attribute aufgreift, etwa nur die Eule, ist für alle, die den Mythos kennen, weiterhin als Verweis auf Athene erkennbar. Eine Komposition mit mehreren Attributen erzählt eine umfassendere Geschichte, benötigt auf der Haut aber mehr Platz.
Zeus und Poseidon: Himmel und Meer
Zeus und Poseidon lassen sich in einer ungenau recherchierten Zeichnung leicht verwechseln, obwohl ihre jeweiligen Attribute sie klar voneinander unterscheiden.
Zeus: Blitz und Adler
Zeus herrscht als König der Götter des Olymp über den Himmel und die Ordnung der Welt. Sein am leichtesten erkennbares Attribut ist der stilisierte Blitz, der oft als Bündel zickzackförmiger Linien dargestellt wird. Der Adler, der ihn begleitet, unterstreicht diese Macht ebenso wie die Eiche, die ihm geweiht war, und der Olivenkranz, der seine Herrschaft und nicht etwa einen sportlichen Sieg symbolisiert. Ein Tattoo, das sich allein auf den Blitz konzentriert, steht als Symbol für Macht und Entschlossenheit. Zeus selbst muss dafür nicht dargestellt werden, damit der Bezug klar bleibt.
Poseidon: Dreizack und Pferd
Poseidon ist an seinem Dreizack zu erkennen, seinem nahezu durchgängig verwendeten Attribut, mit dem er Stürme entfesselt oder bei den mit ihm verbundenen Erdbeben die Erde aufspaltet. Seine heiligen Tiere – Pferd, Stier, Delfin und Hippokamp, das halb Pferd, halb Fisch gestaltete Wesen aus Meereslegenden – bieten nützliche grafische Varianten für alle, die auf den weit verbreiteten Dreizack verzichten und trotzdem auf Poseidon verweisen möchten. Auf der Haut liegt der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Göttern in diesen Gegenständen: Ein zickzackförmiger Blitz steht für Zeus, ein Dreizack mit drei Spitzen für Poseidon. Auch das zugehörige Tier – Adler im Gegensatz zu Pferd oder Delfin – bestätigt, welcher der beiden dargestellt ist.
Mythische Kreaturen: Hydra, Sirenen und Erinnyen
Auch mehrere Kreaturen aus der griechischen Mythologie eignen sich als eigenständiges Tattoo. Damit das Motiv seine Bedeutung behält, muss nicht unbedingt eine ganze Gottheit dargestellt werden.
Die Hydra von Lerna
Die Hydra von Lerna ist eine mehrköpfige Wasserschlange. Ihre Besonderheit im Mythos ist ihre Fähigkeit zur Regeneration: Für jeden abgeschlagenen Kopf wuchsen zwei nach. Dadurch ließ sich der Kampf nicht mit bloßer Kraft gewinnen. Herakles besiegte sie bei seiner zweiten der zwölf Arbeiten nur mithilfe seines Neffen Iolaos, der jede Stelle, an der ein Kopf abgetrennt worden war, sofort mit einer Fackel ausbrannte und so verhinderte, dass ein neuer Kopf nachwuchs. Das Motiv überzeugt durch das, was es erzählt: von einer Kraft, der mit bloßer Stärke nicht beizukommen ist, von der Notwendigkeit, ebenso auf List wie auf Mut zu setzen, und von einer Wiedergeburt, die nicht Selbstzweck, sondern ein anders zu lösendes Problem ist.

Die Sirenen: vom Vogelwesen zur Fischfrau
In der heutigen Vorstellung haben Sirenen einen Fischschwanz. In den ältesten griechischen Quellen werden sie jedoch als Vogelfrauen dargestellt, mit einem VogelLeib und einem Frauenkopf. Die Darstellung als Frau mit Fischschwanz taucht erst viel später, ab dem frühen Mittelalter, auf. Was beiden Versionen gemein ist, bleibt der Kern des Mythos: In der Odyssee lockt ihr Gesang die Seeleute zu den Riffen. Odysseus schützt sich davor, indem er seiner Mannschaft die Ohren mit Wachs verstopfen und sich selbst an den Mast des Schiffs binden lässt. So kann er den Gesang hören, ohne dem Ruf zu folgen. Ein Tattoo mit einem zeitgenössischen Sirenen-Design wie dem unten gezeigten greift die spätere Version des Mythos auf. Wer Wert auf mythologische Genauigkeit legt, sollte bedenken, dass dieses Bild eine Weiterentwicklung der Figur und nicht ihr ursprüngliches Aussehen zeigt.

Die Erinnyen, Hüterinnen der Gerechtigkeit
Die Erinnyen, auch Furien genannt, sind drei rächende Göttinnen: Alekto, Megaira und Tisiphone. Hesiod zufolge entstanden sie aus dem Blut, das bei der Entmannung des Uranos vergossen wurde. Ihre mythologische Aufgabe ist es, bestimmte Vergehen zu bestrafen: Mord, besonders innerhalb derselben Familie, Meineid und Respektlosigkeit gegenüber einem Elternteil. Ein Motiv, das auf sie verweist, steht daher weniger für dekorative Ästhetik als für die Vorstellung unerbittlicher Gerechtigkeit. Damit ist es eine passende Wahl für alle, die ein bedeutungsvolles griechisches Symbol statt einer beliebigen mythologischen Figur suchen.
Mäanderornament und Lorbeerkranz: Motive ohne Figuren
Wer lieber ein erkennbares griechisches Symbol statt eines Gesichts oder einer mythologischen Figur tätowieren möchte, findet in zwei dekorativen Motiven eine passende Wahl. Das Mäanderornament, auch griechischer Schlüssel genannt, ist eine Bordüre aus einer durchgehenden Linie, die ein wiederkehrendes Muster mit rechten Winkeln bildet. Schon in der geometrischen Epoche schmückte es griechische Keramik, Architektur und Kleidungssäume. Sein Name verweist auf den Fluss Mäander in Kleinasien, dessen gewundener Lauf das Muster inspirierte. Seine regelmäßige Geometrie eignet sich besonders für feine Linien, etwa als Armband oder als Bordüre entlang eines Körperteils.
Der Lorbeerkranz verweist auf den Mythos von Apollon und Daphne: Daphne wurde in einen Lorbeerbaum verwandelt, um dem Gott zu entkommen. Später erhielten die Sieger der Pythischen Spiele zu Ehren Apollons einen Lorbeerkranz. Das Motiv bleibt somit mit der Vorstellung von Sieg und Anerkennung verbunden und unterscheidet sich dadurch beispielsweise vom Speer oder Helm, die mit Athene verbunden sind.
Griechische Säulen: dorisch, ionisch, korinthisch
Die drei griechischen Säulenordnungen unterscheiden sich vor allem durch ihr Kapitell. Das ist ein einfacher Anhaltspunkt, wenn du zwischen verschiedenen Säulenmotiven wählen möchtest. Die dorische Ordnung hat ein schlichtes Kapitell: einen einfachen Ring mit einem darüberliegenden, konvexen Wulst. Die gedrungene Säule steht ohne Sockel. Von den drei Ordnungen ist sie die schlichteste. Die ionische Ordnung ist an ihren Voluten zu erkennen, zwei spiralförmigen Windungen zu beiden Seiten des Kapitells. Ihre Säule ist schlanker als die dorische. Die korinthische Ordnung ist die am reichsten verzierte der drei und hat ein mit übereinanderliegenden Akanthusblättern bedecktes Kapitell. Bei einem Tattoo schlägt sich diese Abstufung direkt in der Komplexität der Linien nieder: Dorisch eignet sich für ein einfaches, massives Motiv, während korinthische Säulen mehr Details und damit mehr Platz benötigen, damit sie auf der Haut gut erkennbar bleiben.
Statuarischer oder linearer Stil – und die passende Stelle
Dieselben Symbole lassen sich auf zwei sehr unterschiedliche Arten darstellen. Diese Entscheidung ist ebenso wichtig wie die Wahl des Symbols selbst. Bei einer statuarischen Darstellung sorgen Schatten für eine Marmor- oder Skulpturenwirkung. Das eignet sich für eine Figur oder eine detaillierte Büste, etwa Athene mit ihrer Ägis oder eine ganze Szene mit der Hydra. Der lineare Stil mit feinen, durchgehenden Linien eignet sich besser für ein geometrisches Motiv wie das Mäanderornament, ein Profil oder eine einfache Silhouette. Auf einer kleinen Stelle wirkt er dezenter.
Die Wahl der Stelle folgt derselben Logik wie die Wahl des Stils. Eine detailreiche statuarische Szene braucht eine größere Fläche, damit sie gut erkennbar bleibt. Dafür eignen sich der Unterarm oder die Wade. Ein lineares Motiv wie ein Mäanderfragment passt dagegen auch auf eine kleinere Stelle wie das Handgelenk oder den Nacken, ohne an Klarheit zu verlieren. Bevor du dich endgültig für Größe und Stelle entscheidest, kannst du das Motiv als temporäres Tattoo ausprobieren. So beurteilst du den tatsächlichen Maßstab auf deiner eigenen Haut und kannst die Position anpassen. Der Unterschied zwischen einem temporären Tattoo und einem permanenten Tattoo hilft dir, diesen Schritt einzuordnen.
Bei der Wahl eines griechischen Tattoos geht es also zunächst darum, ein bestimmtes Symbol auszuwählen – einen Gott, eine Kreatur oder ein dekoratives Motiv – und dann eine Darstellung, die zu seiner Komplexität passt. Bei einer mythischen Kreatur wie dem Hydra-Design oder dem Sirena-Design kannst du das Motiv als temporäres Tattoo ausprobieren, um Größe und Platzierung zu prüfen, bevor du ein permanentes Motiv in Betracht ziehst. In der Kollektion Fantasy und Mythologie findest du weitere mythologische Motive aus dem Katalog, die du miteinander vergleichen kannst. Bei nichtgriechischen Kreaturen wie Drachen oder Medusa bietet der Überblick zu Fantasy und Mythologie ein breiteres Spektrum. Ein eigener Artikel zu Wikingersymbolen und ein weiterer zum Tribal-Stil stellen andere Kulturkreise derselben Rubrik vor. Wenn du ausgehend von einem ausgewählten griechischen Motiv anschließend ein permanentes Tattoo in Betracht ziehst, beschreiben der Ratgeber zum ersten Tattoo und der Ratgeber zu semi-permanenten Tattoos die nächsten Schritte.


