Unter dem Begriff spirituelle Tattoos verstehen die meisten dieselben wenigen Motive: eine Lotusblüte, ein Om-Zeichen, ein Mandala, eine Hamsa-Hand, ein Unalome oder das Yin-Yang-Symbol. Diese Motive stammen nicht aus einer einzigen Tradition, sondern werden in eine Kategorie eingeordnet, weil jedes von ihnen dazu dient, einen inneren Weg oder eine persönliche Überzeugung auszudrücken. Der folgende Überblick geht der Reihe nach darauf ein, was die einzelnen Symbole tatsächlich bedeuten, mit welcher Kultur oder Religion sie verbunden sind und wie du das Motiv auswählst, das wirklich zu dir passt, bevor du etwas Endgültiges entscheidest.
- Lotus – ein Bild für Reinheit und das Erheben über Schwierigkeiten in der hinduistischen und buddhistischen Tradition.
- Om – eine heilige Silbe, die am Anfang und Ende hinduistischer Texte erscheint und auch in anderen asiatischen Religionen verwendet wird.
- Mandala – ein geometrisches, um einen Mittelpunkt angeordnetes Muster, das in meditativen und rituellen Zusammenhängen verwendet wird.
- Hamsa – eine offene Hand, die in der nahöstlichen und semitischen Tradition Schutz vor dem bösen Blick symbolisiert und nicht hinduistischen oder buddhistischen Ursprungs ist.
- Unalome – ein Symbol, das aus dem buddhistischen Urna-Motiv hervorgegangen und in der Tattoo-Kultur verbreitet ist und den Weg zur Erleuchtung darstellt.
- Yin-Yang – ein Zeichen aus der taoistischen Philosophie, das das Gleichgewicht sich ergänzender Gegensätze zeigt.
Was spirituelle Tattoo-Symbole verbindet
Diese Symbole ordnest du meist deshalb in eine Kategorie ein, weil jedes von ihnen eine innere oder persönliche Bedeutung trägt, nicht weil sie aus einer gemeinsamen Tradition stammen. Viele von ihnen sind mit lebendigen Religionen und Kulturen verbunden – dem Hinduismus, dem Buddhismus, dem Taoismus sowie der jüdischen und der islamischen Tradition. Deshalb lohnt es sich, jedes Symbol im Zusammenhang mit seinem eigenen Ursprung kennenzulernen, statt sie als austauschbare Dekorationselemente zu behandeln. Wenn du über die sechs Hauptmotive hinaus einen breiteren Überblick möchtest, stellt unsere A–Z-Sammlung mit Tattoo-Bedeutungen achtzig weitere Symbole vor. Eine temporäre oder semipermanente Variante lässt dich außerdem sehen, wie das gewählte Motiv genau auf deiner Haut aussieht, in welcher Größe und an welcher Stelle, bevor du weitere Entscheidungen triffst.
Lotus: sich rein über Schwierigkeiten erheben
Sowohl in der hinduistischen als auch in der buddhistischen Tradition erscheint die Lotusblüte, die sich rein aus dem Schlamm erhebt, als Bild für einen Geist oder eine Seele, die sich über Schwierigkeiten erhebt (Quelle: Padma (attribute) – Wikipedia). In der hinduistischen Tradition werden die sich öffnenden Blütenblätter als Entfaltung des eigenen Potenzials verstanden. In der buddhistischen Tradition spielt auch die Farbe eine Rolle: Weiß ist mit Reinheit und Erwachen verbunden, während der rosa Lotus traditionell als der Lotus des Buddha selbst gilt – es handelt sich also um eine überlieferte kulturelle Zuordnung, nicht um eine allgemeingültige Regel.
Om (Aum): der heilige Klang des Selbst
Om ist eine heilige Silbe, die im Zentrum der hinduistischen Tradition steht: Sie wird als klangliche Darstellung der endgültigen Wirklichkeit und des Selbst verstanden und eröffnet und beschließt heilige Texte wie die Veden und die Upanishaden (Quelle: Om – Wikipedia). Dieselbe Silbe wird auch im Buddhismus, Jainismus und Sikhismus verwendet, jeweils in der eigenen Meditations- und Rezitationspraxis. Da so viele Traditionen sie teilen, lohnt es sich, sie als heiligen Klang zu behandeln und nicht als beliebiges dekoratives Schriftzeichen.
Mandala: ein zentriertes Muster zur Meditation
Das Wort Mandala stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Kreis“: Die klassische Form besteht aus einem Kreis um einen Mittelpunkt, eingefasst in ein Quadrat mit vier Toren (Quelle: Mandala – Wikipedia). In hinduistischen Ritualen stellen verwandte Yantra-Darstellungen den Wohnsitz einer Gottheit oder eines kosmischen Prinzips dar. In der Vajrayana-buddhistischen Praxis legen Mönche während der Meditation Sandmandalas an und zerstören sie anschließend rituell – das drückt Vergänglichkeit aus, nicht dauerhafte Dekoration. Wenn du mehr über die Symmetrie von Mandalas und mögliche Platzierungen lesen möchtest, erfährst du mehr in unserem Artikel über Mandala-Tattoos.
In unserem Katalog gehört auch das Motiv Multitudo thematisch dazu. Die Produktbeschreibung stellt es als eine östliche Gottheit mit vielen Armen dar, als Symbol für Harmonie und Gleichgewicht. Das ist die eigene Beschreibung des Anbieters und keine überprüfte ikonografische Einordnung, veranschaulicht aber gut, wie östlich inspirierte Spiritualität in unserem Sortiment vertreten ist.
Hamsa: eine offene Hand zum Schutz
Die Hamsa zeigt eine offene Hand, in deren Mitte oft ein Auge zu sehen ist. Der Überlieferung nach wird sie als Schutz vor dem „bösen Blick“ getragen (Quelle: The Hamsa Hand Symbol – My Jewish Learning). Ihr Name stammt vom arabischen Wort „khamsa“, das fünf bedeutet. Sie hat eine Bedeutung im islamischen Volksglauben, dient in der sephardisch-jüdischen Tradition als Amulett und ist auch allgemein in der visuellen Kultur des Nahen Ostens verbreitet. Sie ist weder ein hinduistisches noch ein buddhistisches Symbol. Deshalb solltest du sie aufgrund ihrer eigenen Bedeutung wählen und nicht nur, weil sie in derselben Sammlung wie der Lotus oder Om erscheint.
Unalome: der buddhistische Weg zur Erleuchtung
Das Unalome ist eine stilisierte Form der Urna: ein spiralförmiges oder kreisförmiges Zeichen, das in buddhistischen Darstellungen als Glückszeichen auf die Stirn gemalt wird (Quelle: Unalome – Wikipedia). Seine Form wird gewöhnlich so gedeutet: Die gewundene Spirale steht für die Ungewissheit und die Herausforderungen des Lebens, während die gerade Linie für die Klarheit steht, die mit einem gefundenen Weg einhergeht. Wichtig ist der Unterschied, dass das Unalome in der Tattoo-Kultur aus diesem buddhistischen Motiv hervorgegangen ist. Es ist also nicht dasselbe uralte, kanonische religiöse Symbol wie Om oder der Lotus. Wie der Abschluss von Spirale und Linie je nach Muster variiert, erfährst du ausführlich in unserem Artikel über die Bedeutung des Unalome. Wenn dich statt des Motivs hinter dem Unalome ausdrücklich die Darstellung des Buddha interessiert, behandelt unser Leitfaden zu Buddha-Tattoos dieses Thema zusammen mit der respektvollen Platzierung.
Yin-Yang: Gleichgewicht zwischen Gegensätzen
Yin und Yang beschreiben Paare voneinander untrennbarer Gegensätze – zum Beispiel Dunkelheit und Helligkeit oder Passivität und Aktivität –, die nicht als konkurrierend, sondern als gemeinsam existierend verstanden werden (Quelle: Yin and Yang – World History Encyclopedia). Auf jeder Seite befindet sich ein kleiner Punkt in der jeweils entgegengesetzten Farbe. Er zeigt, dass keine der beiden Seiten ganz für sich allein existiert. Bekannt wurde die Vorstellung durch die chinesische Yin-Yang-Schule, ungefähr im 3. Jahrhundert v. Chr., als Teil einer umfassenderen Philosophie über das Gleichgewicht in der Natur. Einen umfassenderen Einblick in kreative Varianten und die tiefere Bedeutung des Konzepts gibt unser Artikel über Yin-Yang-Tattoos.
Wähle dein Symbol mit Bedacht und probiere es zuerst aus
Da mehrere der oben genannten Symbole mit einer bestimmten Kultur oder Religion verbunden sind, lohnt es sich, ein Motiv zu wählen, dessen tatsächliche Bedeutung zu dir passt – und nicht nur eines, das besonders gut aussieht. In unserer spirituellen Kollektion gibt es auch Motive, die Glauben oder Hingabe allgemeiner ausdrücken, ohne eine bestimmte Religion zu benennen. Dazu gehört das unten gezeigte Motiv Gebet, eine florale Komposition, die Gebet und Hoffnung darstellt, oder das Motiv Glaube, das in der Produktbeschreibung als Kombination aus einem wachsamen Auge und Flügeln dargestellt wird. Das ist eine andere Art der Wahl, als wenn du gezielt nach einem Lotus oder einer Hamsa-Hand suchst.

Wo diese Motive üblicherweise getragen werden
Spirituelle Motive werden häufig am Handgelenk oder Unterarm getragen, weil du dort leicht sehen kannst, welche Größe sie haben und wie sichtbar sie im Alltag sind. Der obere Rücken ist eine dezentere Möglichkeit mit mehr Fläche, wenn du nicht möchtest, dass das Motiv ständig zu sehen ist. Eine temporäre oder semipermanente Version hilft dir bei dieser Entscheidung: Sie zeigt dir, wie das gewählte Symbol an der jeweiligen Stelle und in der gewählten Größe aussieht, bevor du an etwas Dauerhaftes denkst. Sie sagt jedoch nicht voraus, wie schmerzhaft ein dauerhaftes Tattoo mit demselben Motiv wäre, wie es verheilen würde oder wie es genau aussehen würde.
Wenn du ausgewählt hast, welches Symbol wirklich das ausdrückt, was du möchtest, kannst du unsere Kollektion mit spirituellen Tattoos durchstöbern und das Motiv an deinem Handgelenk oder oberen Rücken ausprobieren. So siehst du Größe und Platzierung, bevor du weitere Entscheidungen triffst. Wenn es dein erstes Tattoo wäre, findest du in unserem Leitfaden zur Auswahl deines ersten Tattoos weitere Hinweise zur Wahl des Motivs und der Stelle.


